Mobilität neu denken

Mobilität neu denken

Wer künftig noch ein Auto fährt, möchte auch in den Kiez fahren können. Einen Parkplatz soll es auch geben. Aber Radfahrende und Fußgänger*innen sollen endlich nicht mehr an zweiter und dritter Stelle genannt werden, unser aller Lebensqualität und Sicherheit darf nicht dem privaten Bedürfnis nach Autofahren zum Opfer fallen. Busse sollen gut durchkommen, Lieferwagen sollen Zonen im jetzigen Parkbereich bekommen.

 

Autos – fahrend

Wer noch ein Auto hat, möchte in den Kiez fahren können. Das soll weiterhin möglich sein. Wir möchten aber den Durchgangsverkehr fernhalten. Außerdem soll es den Lieferwagen erleichtert werden, ihre Ware zu entladen: Lieferzonen schaffen eine klare Regelung auf der Straße und erleichtern das Miteinander von Bus, Autos, Lieferanten, Radfahrenden und Fußgänger*innen. Das macht es für alle sicherer und die Lieferanten sind nicht länger ein Ärgernis der Straße, sondern willkommener Teil der Wirtschaft im Kiez.

Autos – parkend

Die Fläche von sechs Fußballplätzen ist in unserem Kiez mit privaten PKW zugeparkt. Parkende, d.h. stehende, unbenutzte Autos blockieren für Fußgänger*innen, Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren und für Radfahrende die Wege, Lieferanten müssen notdürftig in Einfahrten halten – eine scheinbar selbstverständliche Ungerechtigkeit. Die Wahrheit ist: Es gibt keinen Anspruch auf einen Parkplatz im öffentlichen Raum! Langzeitparkern möchten wir die Möglichkeit schaffen, einen günstigen Stellplatz z.B. im Parkcenter-Parkhaus zu bekommen.

Parklets

In Absprache mit dem Bezirksamt und Anwohnenden, vor deren Haus oder Gewerbe die Möglichkeit besteht, ein Parklet einzurichten, wollen wir dieses Mittel zur Wiedergewinnung von Fläche ausprobieren und entsprechende bauliche Maßnahmen vornehmen. Ein Parklet ist ein den Autos abgetrotztes Stück Straßenrand, auf dem nicht mehr geparkt, sondern wo zum Beispiel eine Sitzmöglichkeit für die Allgemeinheit, ein Beet oder eine Fahrradstellfläche geschaffen wird.

Sichere Schulwege

Die Wege zur Kiefholz-Grundschule und zur Bouchéschule müssen sicherer werden. Das haben viele schon verstanden und trotzdem muss noch einiges passieren! Wir werden mit den Kindern zusammen die Gefahrenstellen ausloten und dokumentieren und die Ergebnisse der Bezirkspolitik überreichen. Demos schaffen zusätzlich Druck und Aufmerksamkeit. Sichere Schulwege sind eine zentrale Forderung in der Kiezblockkampagne, der wir uns für Alt-Treptow angeschlossen haben, siehe Stichwort „Kiezblock“.

Aktionswochen Schulstraße 9. Mai bis 1. Juni 2022

Kinder und Jugendliche sollen sich sicher und selbstständig mit dem Fahrrad und zu Fuß in ihrem Umfeld bewegen können. Wir wollen mit den „Aktionswochen Schulstraße“ die Schulwegsituation im Kungerkiez zum Thema machen und einmal ausprobieren, wie sich ein temporäres Fahrverbot vor Schulen anfühlt. Wie ist die aktuelle Ausgangslage für die Kinder im Kungerkiez? Wie viel Verkehr begegnen sie auf ihrem Schulweg? Wie ist die Situation vor der Schule? Gemeinsam mit Eltern, Studierenden und Anwohnern wollen wir die Lage analysieren, dokumentieren und daraus mögliche weitere Schritte ableiten.

  • Infoabend am 3. Mai , 19:30 Uhr in die Galerie Kungerkiez
  • Verkehrszählung 9. - 13. Mai, 7.30 Uhr vor beiden Grundschulen (wer mitmachen will, bitte hier eintragen!)
  • Kidical Mass | Fahrrad Demo, 14. Mai 11 Uhr, Schmollerplatz
  • Schulstraßen-Demo Bouchéschule, 17. Mai, 7.30 Uhr
  • Schulstraßen-Demo Kiefholzgrundschule, 18. Mai, 7.30 Uhr
  • Spielstraße, 1. Juni, 15 -18 Uhr Schmollerplatz

Hintergrund Schulstraße:

Vorbild für die Aktionen sind die Wiener Schulstraßen, bei denen die Straße morgens kurz vor Schulbeginn (und nachmittags nach Schulende) für einen Zeitraum von 30 Minuten für den motorisierten Verkehr gesperrt wird. Ziel ist es, brenzlige Situationen durch den Autoverkehr vor Schulen (Stichwort Elterntaxi!) zu vermeiden und die aktive Mobilität der Kinder zu fördern. Mittlerweile gibt es sie auch in London, Paris und einigen weiteren europäischen Städten.

Rechtliche Situation von Schulstraßen in Deutschland: Bei Schulstraßen handelt es sich um vorübergehende Sperrungen einer oder mehrerer Straßen im Umfeld einer Schule zu Beginn und ggf. auch am Ende des Schultages. Diese vorübergehende Sperrung für den Kfz-Verkehr ist als Verkehrsversuch zulässig. Erprobt wurde dieses Konzept in Deutschland z.B. in Hannover. In Kreuzberg ist ein temporäres Durchfahrtverbot an der Hunsrück Grundschule (Manteuffelstraße) in Planung.

Kiezblock

Die Kiezblockskampagne von Changing Cities ist ein gutes Instrument zur Begrenzung des Durchgangsverkehrs und zur Einführung einer lokalen Verkehrswende. Wir haben uns der Kampagne angeschlossen und einen Einwohner*innenantrag für den Kungerkiez erarbeitet, weit über 1167 gültige Unterschriften gesammelt und der neuen BVV im Dezember 2021 übergeben. Es gab schon Gespräche mit der neuen Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Straßen, Grünflächen und Umwelt Frau Dr. Claudia Leistner und vielen anderen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Diagonalsperren, Spielstraßen, Schulwegsicherheit, Parklets u.v.m. können in einem Kiezblock verwirklicht werden. Der Antrag wird am 30.3. im Ausschuss für Straßen, Grünflächen und Ordnungsangelegenheiten besprochen.

Unser Einwohner*innenantrag hat die Umrisse skizziert; eine konkrete Erarbeitung in einer Arbeitsgruppe mit Bezirk und Anwohnenden steht noch aus. Wer mehr Informationen möchte oder sich einbringen will, kann sich an kungerkiezblock@posteo.de wenden.

 

Spielstraßen

Eine temporäre Spielstraße soll es am besten regelmäßig geben. Und warum auch nicht? Schließlich hat diese berlinweite Aktionsform auch in Treptow den mühsamen Gang durch die Institutionen geschafft: aus der „Demo für Spielstraßen“ wurde im letzten Jahr eine bewilligte Spielstraße. „Weiter so, und verstetigen!“ ist jetzt die Devise.

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